Zentralisierung auf Kosten der Eigenständigkeit

Kirchgemeinden werden bei einem JA in ihrer Eigenständigkeit beschnitten. So sieht es die Kirchenpflege Gossau. Unter dem Strich befriedigt die Vorlage nicht, trotz sinnvoller Änderungen.

23.09.2018

Der Kirchenrat ging in der Vorlage, die am 23. September zur Abstimmung kommt, über zahlreiche Einwände hinweg, welche die Kirchgemeinden und Pfarrschaft in der Vernehmlassung erhoben hatten und bringt die Vorlage mit viel Tempo vor das Volk. Für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der revidierten Kirchenordnung bleibt den Mitgliedern wenig Zeit.

 

Die Vorlage befriedigt nicht, trotz sinnvoller Änderungen

Es gibt Erneuerungen, die unbestritten sind. Doch ein Viertel der anwesenden Synodalen (der "Kantonsrat" der ref. Kirche) lehnte die Vorlage in der Schlussabstimmung ab. Das Resultat befriedigt nicht. Viele Änderungen gehen in die falsche Richtung. Fusionen und grosse Kirchgemeinden können den Mitgliederschwund nicht bremsen. Die Revision ist unausgereift. Der Graben zwischen Stadt und Land vertieft sich.

 

Klare Nachteile und Einschränkungen für die Kirchen im Kanton Zürich sehen wir u.a. bei folgenden Punkten:

  • Der Kirchenrat erhält die Kompetenz Vorschriften zur Förderung des kirchlichen Lebens zu erlassen. Was er für förderlich erachtet und was nicht wird noch nicht ausgedeutscht. - Artikel 155
  • Betreffend Bauvorhaben entzieht der Kirchenrat den lokalen Gemeinden die Hoheit - Artikel 243
  • Fusionen von Kirchgemeinden werden finanziell gefördert, andere Zusammenarbeitsformen nicht.
  • Von der neuen Pfarrstellenzuteilung profitieren grosse Gemeinden wie Gossau überproportional - Artikel 116 und 117. Solidarität zeigt sich jedoch nicht darin, dass die vielen kleineren und mittleren Kirchgemeinden auf dem Land durch Pfarrstellenkürzung zur Fusion gedrängt werden. Solidarität zeigt sich darin, dass kreativer lokaler Gemeindebau gefördert wird

Um den Weg freizumachen für eine ausgewogene Reform, haben Synodale und Pfarrer im Juli das Komitee «Nein zur Teilrevision» gebildet. Sie treten für die Ablehnung der Vorlage in der Volksabstimmung am 23. September 2018 ein. Ihre Argumente sind detailliert aufgelistet unter: www.teilrevision-nein.ch

 

Die Kirchenpflege der ref. Kirche Gossau teilt im Grundsatz die Ansicht des Nein-Komitees und setzt sich ein für eine differenzierte Meinungsbildung.

 

Damit Sie sich ein ausgewogenes Bild machen können, finden Sie hier die Argumente der Befürworter der Abstimmungsvorlage: https://www.zhref.ch/kirchenordnung

 

Berichte und Interviews zum Thema mit Gossauer Akteuren:

- TeleZüri-News mit Pfarrer Christian Meier

- Interview mit vier Pfarrpersonen aus dem Züricher Oberland (ZOL)

- Zeitungsbericht "Kritik am Kirchenrat - wir sind nicht die Post" - u.a. mit Kirchenpflegepräsident, Hansjörg Herren (ZOL)

 

Wir freuen uns, wenn Sie sich mit dieser wichtigen Vorlage auseinandersetzen.


Autor: Kirchenpflege, Reformierte Kirche Gossau ZH
Bild-Quelle: Reformierte Kirche Kanton Zuerich
Aktualisiert am 16.09.2018
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